Innere Führung
Innere Führung
Nach den Ereignissen u.a. in Coesfeld und den hier ablaufenden
Diskussionen möchte ich ein paar Worte zur Inneren Führung loswerden.
Verstärkt kam hier der Ruf, daß diese verbessert werden müsse.
Generell
meine ich, daß das Instrumentarium der Inneren Führung ausreichend
ist.
Das Problem, welches ich sehe, ist, daß Innere Führung anscheinend
immer weniger von Vorgesetzten ernst genommen wird.
Die einen verwechseln Innere Führung mit Wattebäuschchen, mit denen
Soldaten getätschelt werden sollen, die anderen nehmen Innere Führung
lediglich als lästiges Unterrichtsfach mit Schlagwortcharakter war.
Ich möchte nur noch mal einsickern lassen, was Innere Führung
bedeutet.
1. Was ist Innere Führung:
Unter Innere Führung versteht man die Aufgaben der BW, welche sich
für
die Führung der Streitkräfte auf der Grundlage der Wehrverfassung und
des Soldatengesetzes ergeben, mit dem Ziel, den Staatsbürger in Uniform
zu einem leistungsfähigen und willigen Soldaten auszubilden und zu
erziehen, dass er der BRD treu diene und im V-Fall bereit sei, tapfer
für Recht und Freiheit des *deutschen* Volkes einzustehen.
Also das, was allgemein unter "kämpfen können" *und*
kämpfen wollen"
bekannt ist.
Innere Führung ist (soll) ein dynamischer und andauernder Prozeß
sein, in welcher der Vorgesetzte dafür zu sorgen hat, dass die
Lebensverhältnisse der Menschen in den Streitkräften im Einklang mit
den Forderungen der Zeit stehen.
Es geht also um die bestmögliche Motivation des Soldaten, auch unter
widrigsten Umständen.
2. Instrumentarium der inneren Führung:
Hier nur die wichtigsten:
- Wahrung der staatsbürgerlichen Rechte als Soldat
- Soldatengesetz
- Wehrdisziplinarordnung
- VVO
- Erz. Maßnahmen
- Vertrauensmänner
- Beirat Innere Führung
- Wehrbeauftragte
- Bundeswehrverband
- Beschwerderecht
- Fürsorge und Betreung der Soldaten in Dienst und Freizeit, einschl
Sozialabteilung im BmVG
- Recht auf politische Information
- Pflicht zur staatsbürgerlichen Bildung
- Personalführung, Laufbahn- und Beurteilungswesen
Aus den Zielen, sowie dem Instrumentarium kann man erkennen, daß Innere
Führung nichts mit Wattebäuschchen zu tun hat, aber auch nichts mit
den
fehlgeleiteten Vorstellungen von Ausbildung und Führung von Soldaten.
Im Hinblick auf die Ausbildung des Soldaten stelle ich folgene Thesen
zur Diskussion:
1. Grundsätzlich müßte das Ausbildungspersonal für solche
Aufgaben
besonders qualifiziert sein. Genau genommen wäre zu fordern, daß
Ausbilder für Ausbildungskompanien neben ihrem normalen Lehrgängen
zusätzlich einen zentralen Lehrgang als Ausbilder für die
Grundausbildung absovieren müßten. Nur so wäre eine
einheitliche
Ausbildung der Rekruten gewährleistet.
Nach ca 2 Jahren, spätestens drei Jahren, gehört das
Ausbildungspersonal sukzessive, jedoch komplett, ausgewechselt.
Was für die Grundausbildung gilt, gilt insbesondere für die
Ausbildung
von Unteroffizieren und Offizieren.
Nicht jeder knackige und in der Truppenpraxis fähiger Panzerkommandant
ist für eine solche Ausbildung der Ausbilder gleich gut geeignet.
Die Meßlatte für Ausbildungspersonal ist daher hoch zu setzen.
2. Manche Riten und Gebräuche müßten strikt abgeschafft werden.
Dienst
nach Vorschrift ist hier wörtlich zu nehmen.
3. Insbesondere junge Ausbilder müssen einer besonderer Dienstaufsicht
im Sinne von Anleitung unterliegen
Insbesondere bei jungen Leuten ist oftmals ein besonderes Engagement zu
beobachten, welches sie bisweilen über das Ziel hinausschießen
läßt.
Sicherlich meistens nicht böse gemeint, kann dies unweigerlich dazu
führen, daß der Untergebene nicht mehr als Staatsbürger gesehen
wird.
Bereits in der Wortwahl zeigen sich oftmals gewisse "Schwächen".
Wenn z.B ein Ausbilder wörtlich vor dem Zug von sich gibt: "Ich
reiße
euch den Arsch so weit auf, daß ihr ungehindert bis Osten blicken
könnt.", dann muß man als Vorgesetzter diesem Ausbilder die
Möglichkeit
einräumen, daß dieser ein solches Anliegen zuerst bei sich selbst,
in
Form einer Reflexion über Innerer Führung, durchführt.
5. Dem Begriff "Auftragstaktik" muß wieder mehr Fürsorge
gewidmet
werden. Wie ich gehört habe, werden mittlerweile immer größerer
Drehbücher bei Übungen etc. oder sogar im normalen Dienstablauf
geschrieben. Insofern unterscheidet sich die BW kaum noch von der
US-Armee.
Nimmt man Auftragstaktik nicht nur für Spezialistenteams, sondern auch
für die Masse ernst, dann ergibt sich mit der Zeit "von selbst"
ein
anderes Menschenbild gegenüber seinen Untergebenen.
Nur wenn man Vertrauen gibt und auch Vertrauen hat, kann man am ehesten
erwarten, daß der Auftrag selbständig ausgeführt wird. Diese
Vertrauen
in die Leistungen der Kameraden scheint mir mittlerweilen weitestgehend
zu fehlen. Hat man als Vorgesetzter jedoch Vertrauen zu seinen Leuten,
dann kommt ein solcher Vorgesetzter normalerweise nicht auf Ideen á la
Coesfeld u.a.
6. Die Befürworter alter "Soldatentraditonen", wie immer die
auch
aussehen wollen, müssen strikt an die Kandarre genommen werden.
Ich will keine Bundeswehr in der Tradition des Alten Fritz oder der
beiden Weltkriege.
Solange aber Vorgesetzte im Generalsrang beim BmVg Rückendeckung für
"Hände an die Naht" bekommen, solange Stiefeltrinken an
Offiziersschulen ein "Muß" ist etc, solange ist das Thema
Innere
Führung nicht wirklich verinnerlicht. Weder im BmVg noch auf Seiten der
Offiziere und Unteroffiziere in der Truppe.
7. In diesem Zusammenhang bin ich für die Beibehaltung des allgemeinen
Wehrdienstes. Für diskussionswürdig erachte ich die Einführung
einer
allgemeinen Dienstpflicht, an der sich jeder Bürger und dies ohne
Ausnahme beteiligen muß. Die Ausgestaltung kann so erfolgen, daß
ohne
Vorliegen des Verteidigungsfalles, wahlweise entweder der Dienst an der
Waffe oder aber in einer anderen staatlichen Organisation abgeleistet
werden kann. Das Recht auf Verweigerung des Kriegsdienstes bleibt davon
unberührt.
Ich bin der Meinung, daß bei Vorliegen einer allgemeinen Dienstpflicht
die Bundeswehr in Konkurrenz zu den anderen staatlichen Institutionen
treten müßte, um ihr benötigtes Kontingent decken zu
können.
Konkurrenz belebt das Geschäft, so daß Vorfälle wie in Coesfeld
alles
andere als dienlich für eine Rekrutierung wären. Auf der anderen
Seite
kann die Bundeswehr für fast alle Bereiche erhebliches bieten
(Stichwort Berufsweiterbildung, etc), so daß mit einiger Sicherheit bei
gleichzeitigem Vorliegen der von mir angedachten allgemeinen
Dienstpflicht eine recht hohe Bereitschaft für den Dienst an der Waffe
vorzufinden wäre.
Auch wenn der "kleine" Rekrut meint, daß er nicht viel zum
Positiven in
der Truppe beitragen kann, so können dies die vielen hunderttausend
"kleinen" Rekruten. Die Geschichte der Bundeswehr seit
Wiedereinführung
hat gezeigt, daß die allgemeine Wehrpflicht für die Truppe ungemein
fruchtbar war.
Dadurch blieb gewährleistet, daß die Bundeswehr weitestgehend ein
Spiegel der Gesellschaft geblieben ist. Daß es in jeder Gemeinschaft
auch reaktionäre Strömungen gibt, ist ein prinzipiell normaler
Vorgang.
Jedoch begegnet man solchen Strömungen am besten mit Gegenströmungen,
so daß ein Ausgleich geschaffen wird.
Allein der Kontakt des "Stammpersonals mit den "Neuen" zwingt
die
Truppe dazu, sich neue Ansichten zumindest anzuhören oder sich damit zu
beschäftigen.
Ein "Staat im Staate" kann imho nicht wirkungsvoller verhindert
werden
als durch die allgemeine Wehrpflicht. Ich weiß, daß viele hier im
Forum
dieses anders sehen. Das sind jedoch meiner Ansicht nach hauptsächlich
diejenigen, die theoretisieren, ohne daß sie jemals selbst in der
Truppe waren.
Grüße
Harald
Innere Führung
Innere Führung
Moin Harald,
zu einigen ausgewählten Punkten möchte ich Stellung nehmen, diese
Punkte
sind aber mehr oder weniger willkürlich herausgegriffen und stellen die
übrigen Punkte nicht zurück, sondern sind nur Folge meiner
"Kommentierungslust". ;-)
Harald Maedl schrieb:
> Generell
> meine ich, daß das Instrumentarium der Inneren Führung
ausreichend ist.
Volle Zustimmung.
> Das Problem, welches ich sehe, ist, daß Innere Führung
anscheinend
> immer weniger von Vorgesetzten ernst genommen wird.
Meiner Meinung nach muß Innere Führung (vor)gelebt werden. Meiner
Empfindung nach wird sie durchaus ernst genommen, kann nur leider zu
häufig nicht ausreichend (vor)gelebt werden, da die Zeit, die der in
Innerer Führung sattelfeste Vorgesetzte mit seinen Unterstellten
verbringen kann, immer geringer wird. Stichwort: Ein Leben für die
Verwaltung.
[Innere Führung]
> 1. Grundsätzlich müßte das Ausbildungspersonal für
solche Aufgaben
> besonders qualifiziert sein. Genau genommen wäre zu fordern,
daß
> Ausbilder für Ausbildungskompanien neben ihrem normalen
Lehrgängen
> zusätzlich einen zentralen Lehrgang als Ausbilder für die
> Grundausbildung absovieren müßten. Nur so wäre eine
einheitliche
> Ausbildung der Rekruten gewährleistet.
Dies wäre sicherlich wünschenswert. Nur ist es leider so, daß
die
Grundausbildung in den verschiedenen Truppengattungen und
Teilstreitkräften doch (noch) inhaltlich erheblich voneinenander
abweichen. Vielleicht kommt es im Zuge der Umgestaltung dazu, daß die
Ausbildung stärker normiert und einsatzvorbereitend wird und dann auch
eine einheitliche Ausbildung der Ausbilder möglich wird.
> Nach ca 2 Jahren, spätestens drei Jahren, gehört das
> Ausbildungspersonal sukzessive, jedoch komplett, ausgewechselt.
> Was für die Grundausbildung gilt, gilt insbesondere für die
Ausbildung
> von Unteroffizieren und Offizieren.
Das ist bereits (weitgehend) Realität. Die Stehzeit auf einem
Dienstposten liegt im Bereich von 2-3 Jahren.
> 3. Insbesondere junge Ausbilder müssen einer besonderer
Dienstaufsicht
> im Sinne von Anleitung unterliegen
> Insbesondere bei jungen Leuten ist oftmals ein besonderes Engagement zu
> beobachten, welches sie bisweilen über das Ziel hinausschießen
läßt.
Zustimmung. Eine Art "Coaching" (Begleitung bei der ersten
Ausbildungsdurchführung) fände ich auch gut. Hier ist aber auch
wieder
das Problem "Zeit". Der jeweilige Vorgesetzte ist genau dazu
verpflichtet, das nennt sich "Erziehung und Ausbildung" bzw.
"Dienstaufsicht". Wieder das Stichwort: "Ein Leben für die
Verwaltung".
> Nur wenn man Vertrauen gibt und auch Vertrauen hat, kann man am ehesten
> erwarten, daß der Auftrag selbständig ausgeführt wird.
Diese Vertrauen
> in die Leistungen der Kameraden scheint mir mittlerweilen weitestgehend
> zu fehlen. Hat man als Vorgesetzter jedoch Vertrauen zu seinen Leuten,
> dann kommt ein solcher Vorgesetzter normalerweise nicht auf Ideen á
la
> Coesfeld u.a.
Es ist ein Teufelskreis: Das lernen militärischer Verhaltensweisen (ob
es nun der vielgeschmähte Formaldienst oder die überlebensnotwendige
Gefechtsausbildung ist) geht nur über Drill. Fahrradfahren, Laufen,
Schwimmen sind vergleichbare Tätigkeiten. Wenn ich im Gefecht auf einen
Schuß (halb-)automatisch in Deckung springen und meine Waffe in Anschlag
bringen will, muß ich das Drillmäßig üben. So wie ein
Zimmermann lernen
muß, auf dem Dachstuhl seine Säge zu bedienen, muß der Soldat
im Gelände
seinen Körper und seine Waffe beherrschen.
Heutzutage läßt sich niemand gerne mehr "drillen", das
klappt auch nicht
über Einsicht, sondern nur über Befehl und Gehorsam.
Wenn diese Grundfertigkeiten beherrscht werden, will ich, daß der Soldat
mitdenkt und die Grundfertigkeiten im Sinne der Auftragstaktik anwenden
kann. Er sich also in der kleinen Kampfgemeinschaft mit all seinen
Fähigkeiten einbringt und den gemeinsamen Auftrag erfüllen hilft.
Hier muß ich im Vertrauen entgegenbringen, damit er sich traut, seine
drillmäßig eingeübten Fertigkeiten nach eigenem Ermessen im
richtigen
Moment zu zeigen. Diesen Sprung zwischen "drillmäßigem
Einüben von
Grundfertigkeiten" und "mitdenkendem Anwenden der Fertigkeiten"
ist
denke ich der schwierige Übergangspunkt.
> solange Stiefeltrinken an
> Offiziersschulen ein "Muß" ist etc
Ich kenne nur eine der drei Offizierschulen, diese aber dafür sehr gut.
Und an dieser wird aus Gläsern getrunken (oder auch mal aus der
Flasche), aber niemals aus Stiefeln!
> Für diskussionswürdig erachte ich die Einführung einer
> allgemeinen Dienstpflicht, an der sich jeder Bürger und dies ohne
> Ausnahme beteiligen muß.
Halte ich auch für diskussionswürdig, allerdings wurde mir mal (von
jemandem, den ich da für kompetent halte) gesagt, daß das aufgrund
des
Völkerrechts (?) nicht so einfach möglich wäre. Danach sei als
einziger
Zwangsdienst der Wehrdienst zulässig.
> [Beibehaltung Wehrpflicht]
> Dadurch blieb gewährleistet, daß die Bundeswehr weitestgehend
ein
> Spiegel der Gesellschaft geblieben ist.
> [...]
> Allein der Kontakt des "Stammpersonals mit den "Neuen"
zwingt die
> Truppe dazu, sich neue Ansichten zumindest anzuhören oder sich damit
zu
> beschäftigen.
> Ein "Staat im Staate" kann imho nicht wirkungsvoller verhindert
werden
> als durch die allgemeine Wehrpflicht.
In meiner letzten Einheit waren etwa 1/4 Wehrdienstleistende
(GWDL/FWDL), etwa 1/4 SaZ12/BS und der Rest SaZ 4-8.
Die Wehrdienstleistenden waren meist nur so "kurz" da, daß kaum
Gelegenheit blieb, sich mit ihrem persönlichen und gesellschaftlichen
Hintergrund zu beschäftigen. Ihre Impulse blieben auch recht dürftig,
da
sie das in nicht allzugroßer Ferne liegende Dienstzeitende ja vor sich
hatten.
Die SaZ12/BS standen auch voll im Leben (Familie, zivile Freunde,
Vereinsmitgliedschaften), die lasse ich aber mal außen vor, weil sie ja
am dichtesten an der "Berufsarmee" dran sind.
Den Kern der "Gesellschaftlichen Einbindung" bildeten die SaZ4-8, die
die größten Impulse brachten, weil sie eben längere Zeit in der
Truppe
blieben, aber dennoch in aller Regel jedes Wochenende zu ihrem Heimatort
gefahren sind.
> Ich weiß, daß viele hier im Forum
> dieses anders sehen. Das sind jedoch meiner Ansicht nach
hauptsächlich
> diejenigen, die theoretisieren, ohne daß sie jemals selbst in der
> Truppe waren.
Ich fühle mich aufgrund Deiner Beschreibung nicht als
"Theoretiker"
angesprochen, sondern als "Praktiker" der auf einige Aspekte
hinweisen
konnte ... ;-)
Gruß,
Olaf Hoffmann
--
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entsprechende Newsgroup in abgekürzter Form in eckigen Klammern angeben,
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Innere Führung
Olaf Hoffmann wrote:
> Harald Maedl schrieb:
Hallo Olaf,
> zu einigen ausgewählten Punkten möchte ich Stellung nehmen,
diese
> Punkte sind aber mehr oder weniger willkürlich herausgegriffen und
> stellen die übrigen Punkte nicht zurück, sondern sind nur Folge
meiner
> "Kommentierungslust". ;-)
Gut, meine Punkte waren auch mehr oder weniger willkürlich
herausgegriffen und sicher alles andere als vollständig
>
>> Das Problem, welches ich sehe, ist, daß Innere Führung
anscheinend
>> immer weniger von Vorgesetzten ernst genommen wird.
>
> Meiner Meinung nach muß Innere Führung (vor)gelebt werden.
Meiner
> Empfindung nach wird sie durchaus ernst genommen, kann nur leider zu
> häufig nicht ausreichend (vor)gelebt werden, da die Zeit, die der in
> Innerer Führung sattelfeste Vorgesetzte mit seinen Unterstellten
> verbringen kann, immer geringer wird. Stichwort: Ein Leben für die
> Verwaltung.
ACK zum Vorleben! Mit dem Ernstnehmen habe ich das so oder so erlebt.
Der Zeitdruck stellt in der Praxis tatsächlich ein Problem dar. Dies
ist jedoch oftmals hausgemacht. Wer kennt nicht die allseits beliebten
Zweit-, Dritt- und Viertfunktionen, die manch Zugführer für alle
möglichen "Wichtigkeiten" investieren muß. Das andere ist
schlicht wohl
auch Personalmangel.
Dass sich in einer Armee, die in wesentlichen Zeiträumen lediglich
Übtruppe war, Verwaltungspopanz herausgebildet hat, ist ein Übel, an
das rigoros herangegangen werden muß.
Mir kommt es in Gesprächen mit Aktiven oftmals vor, daß das Setzen
des
Schwerpunktes eher dem Setzen einer Schwerfläche gleicht. Wie mir
scheint, wird zunehmend auch gerne von oben nach unten abgeschoben -
oder zu neudeutsch "delegiert".
Und da "Scheiße" immer nach unten fällt, bleibt die Arbeit
beim dem,
der am dringendsten bei seinen Leuten benötigt wird, nämlich dem
Einheitsführer und dem Zugführer.
> [Innere Führung]
>> [besondere Ausbildung für die Ausbilder]
> Dies wäre sicherlich wünschenswert. Nur ist es leider so,
daß die
> Grundausbildung in den verschiedenen Truppengattungen und
> Teilstreitkräften doch (noch) inhaltlich erheblich voneinenander
> abweichen. Vielleicht kommt es im Zuge der Umgestaltung dazu, daß
die
> Ausbildung stärker normiert und einsatzvorbereitend wird und dann
auch
> eine einheitliche Ausbildung der Ausbilder möglich wird.
Letzteres ist, soweit ich weiß, nicht vorgesehen. Seit Bestehen der BW
wird an dieser Ausbildung herumgedoktert und man sieht immer noch
wandelnde Büsche über Stoppelfelder hopsen.
Ein bisserl nachdenken und ein Federstrich würden genügen, Abhilfe zu
schaffen. Und BTW wäre es keine Schande, sich nebenbei Anregungen aus
den Erfahrungsschatz der israelischen, britischen u.a Armeen zu holen.
Nicht in der Verwaltung, da sind wir Weltmeister!
>> [rechtzeitiger Wechsel des Personals]
> Das ist bereits (weitgehend) Realität. Die Stehzeit auf einem
> Dienstposten liegt im Bereich von 2-3 Jahren.
Das ist auch gut so. Ich habe es noch erlebt, daß Ausbilder
(Unteroffiziersdienstgrade) über 10 Jahre in einer Ausbildungskompanie
verbracht haben. Daß dort dann Verschleißerscheinungen oder aber
auch
Eigentümlichkeiten in der Ausbildung auftraten, ist nicht verwunderlich.
>> 3. Insbesondere junge Ausbilder müssen einer besonderer
>> Dienstaufsicht im Sinne von Anleitung unterliegen
> Zustimmung. Eine Art "Coaching" (Begleitung bei der ersten
> Ausbildungsdurchführung) fände ich auch gut. Hier ist aber auch
wieder
> das Problem "Zeit". Der jeweilige Vorgesetzte ist genau dazu
> verpflichtet, das nennt sich "Erziehung und Ausbildung" bzw.
> "Dienstaufsicht". Wieder das Stichwort: "Ein Leben für
die
> Verwaltung".
Tja, was untertags nicht geschafft werden kann, muß dann eben nach
Feierabend erledigt werden. Ich habe es oft erlebt, daß auch höhere
Dienstgrade geradezu fluchtartig bei Dienstplanende die Kaserne
verlassen haben.
Das "Nachsitzen" ist zwar sicherlich keine Lösung, die Lorbeeren
bringt
(eher wohl das Gegenteil). In der freien Wirtschaft sind jedoch für
Führungspersonal 60 Wochenstunden und mehr schon fast normal.
(Ich weiß, daß für die Truppe, Übungsbelastungen mit
eingerechnet,
oftmals weit höherer Stundenzeiten herauskommen und ich habe auch
Verständnis, daß gerade die Längerdienenden mit Familie an der
alltäglichen Nato-Rally teilnehmen. Soldatenfamilien haben kein
wirkliches Familienleben, ich weiß das nur zu gut)
>> [Führen durch Auftrag]
> [Drill ist notwendig]
> Heutzutage läßt sich niemand gerne mehr "drillen",
das klappt auch
> nicht über Einsicht, sondern nur über Befehl und Gehorsam.
> [Nach dem Drill--> Auftragstaktik]
> Hier muß ich im Vertrauen entgegenbringen, damit er sich traut,
seine
> drillmäßig eingeübten Fertigkeiten nach eigenem Ermessen
im richtigen
> Moment zu zeigen. Diesen Sprung zwischen "drillmäßigem
Einüben von
> Grundfertigkeiten" und "mitdenkendem Anwenden der
Fertigkeiten" ist
> denke ich der schwierige Übergangspunkt.
Ich denke, daß sich Führen durch Auftrag und Drillausbildung nicht
widersprechen. Ich bin ebenso wie du der Meinung, daß Drill unabdingbar
notwendig ist.
Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, daß dieser Drill gut
vermittelbar gemacht wird, wenn der Sinn und Zweck, schlicht das Ziel
der Ausbildung, genügend erklärt wird.
Drill hat nichts mit Schinden (im negativen Sinne) anderer zu tun, auch
wenn sich die Gedrillten schinden müssen, um die Leistungen zu
erfüllen. Gerade im Drill kann der Auszubildende auch Vertrauen zu
seinem Ausbilder fassen. Dieser muß halt in der Lage sein, die
individuellen Stärken und Schwächen zu erkennen um den auszubildenden
Soldaten zu fördern. Dümmliche Anbrüllerei hingegen fördert
eher die
Abneigung und ich habe viele brüllende Ausbilder gesehen.
Leicht gesagt, ich weiß..., aber das Führen von Menschen ist niemals
und nirgends leicht.
Zusammenfassend zum Führen durch Auftrag meine ich, daß daß
viel zu oft
und zuviel von oberen Ebenen hineinbefohlen wird, insbesondere auch bei
den ganz alltäglichen Dingen. Die Auftragstaktik versagt nicht nur bei
den auszubildenden Grundwehrdienstleistenden, sondern insbesondere in
der Ebene Chef oder Zugführer, vielleicht sogar BtlKommandeur. Dieser
oftmals fragwürdige Papiermüll der täglich von oben
herabregnete,
widersprach jeglichem Führen durch Auftrag. Ich nehme nicht an, daß
dieses heute besser geworden ist. Gerade dann, wenn es gefährlich
werden könnte, sichert man sich nach allen Seiten hin ab.
Der Dumme ist meistens dann wieder der Einheitsführer, der für alles
verantwortlich gemacht wird.
>> solange Stiefeltrinken an
>> Offiziersschulen ein "Muß" ist etc
> Ich kenne nur eine der drei Offizierschulen, diese aber dafür sehr
> gut. Und an dieser wird aus Gläsern getrunken (oder auch mal aus der
> Flasche), aber niemals aus Stiefeln!
Gut! Im weiteren möchte mich darüber auch nicht öffentlich
auslassen.
Ich sage nur "Lage Hildesheim", dann kannst Du dir die entsprechende
Schule denken. Ich habe es nur dort erlebt. Wäre es anders gewesen,
hätte ich wohl der BW frühzeitig den Rücken gekehrt. Ich betone,
daß
dieses maßgeblich von sehr wenigen, jedoch maßgeblichen
"vergoldeten"
Herren praktiziert wurde.
Was hat man als junger Lehrgangsteilnehmer gemacht? Den Mund gehalten
und sich unauffällig verdrückt!
>> Für diskussionswürdig erachte ich die Einführung einer
>> allgemeinen Dienstpflicht, an der sich jeder Bürger und dies ohne
>> Ausnahme beteiligen muß.
> Halte ich auch für diskussionswürdig, allerdings wurde mir mal
(von
> jemandem, den ich da für kompetent halte) gesagt, daß das
aufgrund des
> Völkerrechts (?) nicht so einfach möglich wäre. Danach sei
als
> einziger Zwangsdienst der Wehrdienst zulässig.
Dem Völkerrecht nach steht dem meines Wissens nicht entgegen. Das
Grundgesetz müßte gändert werden. Aber das hätte bereits
beim Einsatz
deutscher Soldaten im ehemaligen Jugoslawien geändert werden müssen,
erst recht beim Einsatz in Afghanistan. Zumindest wäre dies zu meiner
aktiven Zeit notwendig gewesen. Ein Verfassungsrichter "himself"
hatte
uns Offizieren damals in epischer Breite dargelegt, daß und warum
solche Einsätze nicht verfassungsgemäß seien würden.
Daß selbiges
Verfassungsgericht (in anderer Zusammensetzung) eine Kehrtwendung
vollzogen hat, habe ich diesem nie verziehen. Bei mir kam sehr stark
der Eindruck der Beliebigkeit in der Rechtsauslegung auf. Die haben
Tatsachen geschaffen, wo die Politiker zu feige waren und es immer noch
sind, eine klare Position zu beziehen. Sollen sie das GG doch ändern,
dann herrscht für die Soldaten eine klare Linie und es kommt nicht der
Eindruck auf, Soldaten seien nichts weiter als Kanonenfutter, das in
fast beliebiger Manipulation der Rechtslage eingesetzt werden kann.
Viele meiner ehemaligen Kameraden waren damals tief enttäuscht von
ihrem Dienstherren und fühlten sich betrogen. Der Eid, den sie
geleistet hatten, wurde in deren und auch in meinen Augen, mißbraucht.
>> [Beibehaltung Wehrpflicht]
>> Dadurch blieb gewährleistet, daß die Bundeswehr
weitestgehend ein
>> Spiegel der Gesellschaft geblieben ist....
>> Allein der Kontakt des "Stammpersonals mit den "Neuen"
zwingt die
>> Truppe dazu, sich neue Ansichten zumindest anzuhören oder sich
damit
>> zu beschäftigen.
>> Ein "Staat im Staate" kann imho nicht wirkungsvoller
verhindert
>> werden als durch die allgemeine Wehrpflicht.
>
> In meiner letzten Einheit waren etwa 1/4 Wehrdienstleistende
> (GWDL/FWDL), etwa 1/4 SaZ12/BS und der Rest SaZ 4-8.
Oops! Bei mir war das Verhältnis umgekehrt: rund 1/4 "Profis",
der Rest
Wehrpflichtige. Die STAN war auch nur ein Papier, was geduldig war,
zumindest wenn man lauthals nach mehr Personal rief...
> Die Wehrdienstleistenden waren meist nur so "kurz" da, daß
kaum
> Gelegenheit blieb, sich mit ihrem persönlichen und gesellschaftlichen
> Hintergrund zu beschäftigen. Ihre Impulse blieben auch recht
dürftig,
> da sie das in nicht allzugroßer Ferne liegende Dienstzeitende ja vor
> sich hatten [...].
Die derzeitige Grundwehrdienstdauer halte schlicht gesagt für Unsinn.
Aber es ist müßig darüber zu diskutieren. Jeder weiß es,
ändert tut
sich nichts.
Jedoch möchte ich noch anführen, daß ein großer Teil der
zukünftigen
Vorgesetzten aus dem Kreis der Wehrdienstleistenden rekrutiert wird.
Insofern kommt ein nicht unbeträchtlicher Anteil, imho so um die 80%,
aus diesem Potential. Viele entdecken ihr Interesse erst während des
Wehrdienstes.
Zumindest war es früher möglich, wirklich gute Leute zu finden und
für
den Soldatenberuf zu begeistern. Auf diese Weise kamen immer frische
Ideen in die Truppe.
>> Ich weiß, daß viele hier im Forum
>> dieses anders sehen. Das sind jedoch meiner Ansicht nach
>> hauptsächlich diejenigen, die theoretisieren, ohne daß sie
jemals
>> selbst in der Truppe waren.
> Ich fühle mich aufgrund Deiner Beschreibung nicht als
"Theoretiker"
> angesprochen, sondern als "Praktiker" der auf einige Aspekte
hinweisen
> konnte ... ;-)
Mea culpa. Das war von mir unklar formuliert. Ich bezog mich hierbei
auf vorangegangene Beiträge von Diskussionsteilnehmern, die die
Wehrpflicht strikt ablehnen und niemals in der Truppe waren.
Ich selbst, als nicht mehr der Truppe zugehörig, fröne sehr wohl dem
Theoretisieren;-).
Was bleibt denn anderes übrig, als seine Meinung kundzutun,
insbesondere nach den letzten Verfehlungen, die dem Ansehen der Truppe
beträchtlich schaden und ein Stimmungsbild in der Bevölkerung
hervorrufen, daß der Arbeit und den Bemühungen vieler (wohl der
Mehrheit der Soldaten) in der Stellung als Vorgesetzter einfach nicht
gerecht wird.
Man muß jedoch auch laut rufen, damit insbesondere hohe Militärs,
die
dafür bekannt sind, kraft eigener Ausdünstung eigene Riten und
Gebräuche einführen zu wollen, nicht Oberwasser bekommen, sondern im
Gegenteil, denen der Rückhalt vom BmVg entzogen wird.
Das geht leider oftmals nur auf politischem Wege z.B. mittels
Wegloben...
Grüße
Harald
Innere Führung
Harald Maedl wrote:
> Tja, was untertags nicht geschafft werden kann, muß dann eben nach
> Feierabend erledigt werden.
Sechs Tage sollst Du schuften im Schweiße Deines Angesichts!
Am siebenten Tag sollst Du verrichten, was Du die sechs Tage vorher nicht
geschafft hast!
SCNR,
Markus
Innere Führung
Harald Maedl wrote:
> Wehrpflichtige. Die STAN war auch nur ein Papier, was geduldig war,
^^^
Was heißt das eigentlich?
--
www.wehrgerechtigkeit.de
Innere Führung
Peter Fischbach schrieb folgendes:
>> Wehrpflichtige. Die STAN war auch nur ein Papier, was geduldig war,
> ^^^
> Was heißt das eigentlich?
Stärke und Ausrüstungsnachweis(ung?)
MFG, Till
--
eBay - Artikel nicht erworben:
Outdoor Messer ( Hunter ) sehr Scharf !!!!
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Innere Führung
Peter Fischbach writes:
> Harald Maedl wrote:
>
>> Wehrpflichtige. Die STAN war auch nur ein Papier, was geduldig war,
> ^^^
> Was heißt das eigentlich?
Stärke- und Ausrüstungsnachweisung
siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/STAN
Jens
Innere Führung
Peter Fischbach meinte
>Harald Maedl wrote:
>
>> Wehrpflichtige. Die STAN war auch nur ein Papier, was geduldig war,
> ^^^
>Was heißt das eigentlich?
http://de.wikipedia.org/wiki/STAN
Gruß Günter