Re: Todesstrafe im Krieg
Re: Todesstrafe im Krieg
Ingo Heinscher wrote:
>>>Abgesehen davon, dass das eh nichts bringt, Soldaten, die nicht
kämpfen
>>>wollen, zu erschiessen.
>>
>> Na ja, was "bringt" die Todesstrafe überhaupt?
>
>Das wird eine Diskussion, die endlos werden kann :->
>
>Im Krieg jedenfalls nützt es genau nichts, Leute zum Kämpfen
durch Furcht
>motivieren zu wollen.
Nun, wie ich im letzten Posting erwähnte, fanden Hinrichtungen bei den
US-Streitkräften im Zweiten Weltkrieg insbesondere wegen
"Grausamkeiten" statt.
Und Caesar hätte wohl seine Zweifel gehabt, ob Dezimierungen unnütz
waren.
>Es gibt da diese military-SF-Reihe von "John Ringo"
|Von:John Ringo (johnringo@mindspring.exthisout.com.)
|I have a new standard answer for the "Is that your real name, or is it a
pseudonym?"
|
|"No, my real name is Val Kilmer."
|;-)
>Um jemanden, der Angst vor dem Gefecht hat, zu motivieren, muss man
>wahrscheinlich eher an Dinge wie Stolz, Ehrgefühl, den Schutz von
Dingen,
>die er liebt, etc, appelieren. Wenn jemand dann trotzdem nicht kämpfen
will
>vor lauter Angst, wüsste ich nicht, was ich anderes machen könnte
als ihn
>zu ignorieren und mit dem Rest weiterzumachen.
Das mag sein, aber es kann ja auch das Gegenteil passieren und die
Soldaten fallen in einen Blutrausch. Beispielsweise Soldaten die eine
Stadt monatelang belagern und dann sehr blutig stürmen. Die wollen
dann einfach ihre, äh, spoils of war und wenn dann keine hart
durchgreift...
Re: Todesstrafe im Krieg
Re: Todesstrafe im Krieg
Andre Ilausky wrote:
> Die wollen dann einfach ihre, äh, spoils of war
Sieg und fette Beute!, bzw. Uhri, Fritz, dawai! bei der anderen
Feldpostnummer.
Re: Todesstrafe im Krieg
Andre Ilausky schrieb:
> Das mag sein, aber es kann ja auch das Gegenteil passieren und die
> Soldaten fallen in einen Blutrausch.
Davor schützt die Todesstrafe aber auch nicht. Das ist jetzt eine
psychische
Ausnahmesituation mit einer anderen vertauscht. Ob ich mir vor Angst in die
Hose scheiße oder wirklich mal den wilden Willi raushängen lasse
(Beides
schon erlebt), in beiden Fällen wirst Du andere nicht davon abhalten,
Angst
zu haben oder überzureagieren indem Du mich erschiesst. Ich würde
sogar das
Gegenteil vermuten. Du verstärkst die Gefühle sogar noch.
Angst lässt sich bekämpfen, Blutrausch theoretisch auch, aber man
spricht
nicht darüber, das sind per definitionem wahnsinnige Irre.
Gruß,
Markus
Re: Todesstrafe im Krieg
Andre Ilausky wrote:
> Ingo Heinscher wrote:
>>Im Krieg jedenfalls nützt es genau nichts, Leute zum Kämpfen
durch Furcht
>>motivieren zu wollen.
>
> Nun, wie ich im letzten Posting erwähnte, fanden Hinrichtungen bei
den
> US-Streitkräften im Zweiten Weltkrieg insbesondere wegen
> "Grausamkeiten" statt.
Nach einem Gerichtsverfahren? Was soll das konkret nützen im Vergleich zu
einer Haftstrafe?
> Und Caesar hätte wohl seine Zweifel gehabt, ob Dezimierungen
unnütz
> waren.
Ich kann mir schwer vorstellen, dass heutige deutsche Soldaten sich auch nur
ein Hunderstel dessen gefallen lassen würden, was bei den Legionen so
üblich war. Und ganz gewiss auch keine Dezimierungen. Eher würden die
Soldaten den fraglichen Offizier in Notwehr erschiessen. Ich würde das
auch tun.
Abgesehen davon sind wir, Deutschland, ja im Falle eines Falles keine
Plutokratenrepublik, die ihre Wehrpflichtigen für ein gutes Geschäft
und
ein paar erbeutete Sklaven und Ländereien in Angriffskriege schickt,
sondern eine Demokratie, die sich oder ihre Verbündeten verteidigt. Da
gelten dann auch ein bisschen anderen Prinzipien für den Staat und seine
Diener, wozu natürlich auch die Offiziere gehören.
Wer glaubt, im Krieg würden irgendwie andere Grundregeln gelten als im
Frieden und unsere Grundrechte seien dann nachrangig, der ziehe seine
Uniform aus. Das sei unabhängig von der Tatsache, dass das Erschiessen
eigener Leute zur "Abschreckung" schlicht und einfach nicht
funktioniert.
>>Um jemanden, der Angst vor dem Gefecht hat, zu motivieren, muss man
>>wahrscheinlich eher an Dinge wie Stolz, Ehrgefühl, den Schutz von
Dingen,
>>die er liebt, etc, appelieren. Wenn jemand dann trotzdem nicht
kämpfen
>>will vor lauter Angst, wüsste ich nicht, was ich anderes machen
könnte als
>>ihn zu ignorieren und mit dem Rest weiterzumachen.
>
> Das mag sein, aber es kann ja auch das Gegenteil passieren und die
> Soldaten fallen in einen Blutrausch.
Dann dürfte oft ein Eimer kaltes Wasser genauso helfen, oder eine
Ohrfeige.
Ja, auch bei einem, solange es nur alle sehen.
Wenn das tatsächlich nicht geht, und man jemanden tatsächlich direkt
erschiessen muss, um Verbrechen zu verhindern, dann ist das übrigens nicht
die Todesstrafe, sondern Notwehr im Sinne des Gesetzes. (In solchen
Beispielen fälschlich oft "Nothilfe" genannt.) Das würde
ich auch nicht
ausschliessen wollen, vermeiden wo möglich aber schon.
--
"Schicksal bezeichnete einmal den Zwang, sich dem Lauf der Dinge
unterwerfen zu müssen. Heute bedeutet es Anpassung an die Natur-
gesetze der Globalisierung. Die Götter des Kapitals müssen
gnädig
gestimmt und ihre Gunst durch Opfer erkauft werden." (Thomas Assheuer)