Sommerloch - Abschaffung der Wehrpflicht
Sommerloch - Abschaffung der Wehrpflicht
Keine einfache Frage, welche Armee denn die "bessere" ist. Einerseits
werden, wenn weltweite Präsenz politisch erwünscht ist, absolute
Profis
benötigt, andererseits besteht in jedem abgeschlossenen Zirkel die
Gefahr, dass seltsame Gepflogenheiten bis hin zum Staat im Staate
einreißen.
Natürlich drängt die Frage der Wehrgerechtigkeit. Aber hier
könnte eine
allgemeine Dienstpflicht Abhilfe schaffen. Jeder und ohne Ausnahme
muß also einmal im Leben seine Belange hintenan stellen und für eine
bestimmte Zeit Dienst für die Gemeinschaft leisten, sei es im
Pflegebereich, oder sei es beim Militär. Im Zuge der Überalterung der
Gesellschaft werden wir ohnehin nicht darauf verzichten können, wenn
das Gesundheitssystem überhaupt noch bezahlbar bleiben soll.
Grüße
Harald
Sommerloch - Abschaffung der Wehrpflicht
Sommerloch - Abschaffung der Wehrpflicht
Harald Maedl schrieb:
> andererseits besteht in jedem abgeschlossenen Zirkel die
> Gefahr, dass seltsame Gepflogenheiten bis hin zum Staat im Staate
> einreiÃźen.
MuÃź eine Berufsarmee eine geschlossene Gesellschaft sein? Von der
Polizei,
der anderen Fraktion mit dem Gewaltmonopol des Staates, erwartet man ja
auch nicht, daÃź sie plötzlich seltsame Dinge tut bishin
zur
Verselbstständigung.
Man müsste dazu nur die Prämisse
ändern, daÃź alles militärische
zunächst mal
grundsätzlich geheim ist und bleibt. Das ist nicht notwendig.
GruÃź,
Markus
Sommerloch - Abschaffung der Wehrpflicht
Markus Machner wrote:
> Harald Maedl schrieb:
>
>> andererseits besteht in jedem abgeschlossenen Zirkel die
>> Gefahr, dass seltsame Gepflogenheiten bis hin zum Staat im Staate
>> einreiÃźen.
>
> MuÃź eine Berufsarmee eine geschlossene Gesellschaft sein? Von der
Polizei,
> der anderen Fraktion mit dem Gewaltmonopol des Staates, erwartet man ja
> auch nicht, daÃź sie plötzlich seltsame Dinge tut
bishin zur
> Verselbstständigung.
> Man müsste dazu nur die Prämisse
ändern, daÃź alles militärische
zunächst
> mal grundsätzlich geheim ist und bleibt. Das ist nicht
notwendig.
Ich glaube nicht, dass das so einfach ist. Das Militär gibt sich
aus
Tradition eine eigene Kultur - allein daraus erwächst schon ein
Stück der
von Harald angesprochenen Gefahr.
Aber es gibt ein ganz anderes Argument für die Wehrpflicht:
Ausbilder müssen
daran gewöhnt bleiben, auch Leute zu motivieren, die vielleicht
nicht
unbedingt so richtig Lust haben und auch keine Karriere beim Bund
anstreben. Denn nach wie vor gilt, dass die Streitkräfte in
erster Linie
zur Verteidigung bzw. zur "Know-How-Erhaltung" eben
für die Verteidigung
existieren. Und dafür ist eine Wehrpflicht zwingend notwendig.
Sommerloch - Abschaffung der Wehrpflicht
Harald Maedl schrieb:
> Keine einfache Frage, welche Armee denn die "bessere" ist.
Einerseits
> werden, wenn weltweite Präsenz politisch erwünscht ist, absolute
Profis
> benötigt, andererseits besteht in jedem abgeschlossenen Zirkel die
> Gefahr, dass seltsame Gepflogenheiten bis hin zum Staat im Staate
> einreißen.
>
> Natürlich drängt die Frage der Wehrgerechtigkeit. Aber hier
könnte eine
> allgemeine Dienstpflicht Abhilfe schaffen. Jeder und ohne Ausnahme
Ausnahmen wird es in jedem System geben.
> muß also einmal im Leben seine Belange hintenan stellen und für
eine
> bestimmte Zeit Dienst für die Gemeinschaft leisten, sei es im
> Pflegebereich, oder sei es beim Militär.
Wenn man bedenkt, wie viel die arbeitende Bevölkerung an die
"Gemeinschaft" zahlt, stellt sich die Frage, ob x Monate im Leben
länger
"arbeiten" oder eine "allgemeine Dienstpflicht" mehr
"bringen".
> Im Zuge der Überalterung der
> Gesellschaft werden wir ohnehin nicht darauf verzichten können, wenn
> das Gesundheitssystem überhaupt noch bezahlbar bleiben soll.
Die Anzahl die ZDL müsste in den letzten zehn Jahren eigentlich stark
gesunken sein ("Wegfall" von T3lern und T7lern beispielsweise) und
irgendwie konnte man diese Verluste doch tatsächliche ausgleichen.
BTW: Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Thema hier OT ist, aber bevor
noch jemand einen Löschantrag stellt, können wir ruhig auch ein wenig
OT-Traffic erzeugen ;)
Sommerloch - Abschaffung der Wehrpflicht
Ingo Heinscher schrieb:
>> MuÃź eine Berufsarmee eine geschlossene Gesellschaft sein? Von
der Polizei,
>> der anderen Fraktion mit dem Gewaltmonopol des Staates, erwartet man
ja
>> auch nicht, daÃź sie plötzlich seltsame Dinge tut
bishin zur
>> Verselbstständigung.
>> Man müsste dazu nur die Prämisse
ändern, daÃź alles militärische
zunächst
>> mal grundsätzlich geheim ist und bleibt. Das ist nicht
notwendig.
>
> Ich glaube nicht, dass das so einfach ist. Das Militär gibt
sich aus
> Tradition eine eigene Kultur - allein daraus erwächst schon
ein Stück der
> von Harald angesprochenen Gefahr.
Auch bei unseren westlichen Verbündeten/Nachbarn, die teilweise
nur
während der Weltkriege eine Wehrpflicht hatten?
> Aber es gibt ein ganz anderes Argument für die Wehrpflicht:
Ausbilder müssen
> daran gewöhnt bleiben, auch Leute zu motivieren, die
vielleicht nicht
> unbedingt so richtig Lust haben
Die machen Zivildienst.
> und auch keine Karriere beim Bund
> anstreben.
Soldaten auf Zeit existieren. Wenn das nicht attraktiv genug ist, sollte
man sich fragen, warum das so ist.
> Denn nach wie vor gilt, dass die Streitkräfte in erster
Linie
> zur Verteidigung bzw. zur "Know-How-Erhaltung" eben
für die Verteidigung
> existieren.
Die Wehrpflicht dient heute in erster Linie dazu den Zivildienst zu
begründen.
> Und dafür ist eine Wehrpflicht zwingend notwendig.
Also haben Länder, welche die Wehrpflicht abgeschafft haben, die
Fähigkeit zur Verteidigung aufgegeben? Frankreich
beispielsweise?
Oh oh... ;)
Sommerloch - Abschaffung der Wehrpflicht
Andre Ilausky wrote:
> Harald Maedl schrieb:
>> Natürlich drängt die Frage der Wehrgerechtigkeit. Aber hier
könnte
>> eine allgemeine Dienstpflicht Abhilfe schaffen. Jeder und ohne
>> Ausnahme
> Ausnahmen wird es in jedem System geben.
Das System ist mit der Zeit immer löchriger geworden. Politikersöhne,
Söhne von Industriellen, Spitzensportler mit angeblichen
Sportverletzungen etc. Daher muß von Zeit zu Zeit wieder mal etwas
Neues gestrickt werden;-)
Es stimmt schon, dass in jedem System Schlupflöcher gefunden werden,
dann muß solch ein inflationierendes Ausnahmesystem eben wieder neu
geregelt werden. Bei Beurteilungsystemen ist es ja auch nicht anders.
>> muß also einmal im Leben seine Belange hintenan stellen und
für eine
>> bestimmte Zeit Dienst für die Gemeinschaft leisten, sei es im
>> Pflegebereich, oder sei es beim Militär.
> Wenn man bedenkt, wie viel die arbeitende Bevölkerung an die
> "Gemeinschaft" zahlt, stellt sich die Frage, ob x Monate im
Leben
> länger "arbeiten" oder eine "allgemeine
Dienstpflicht" mehr "bringen".
Es geht nicht um "länger leben". Es geht darum, dass der
Staatsbürger
einmal im Leben einen Dienst an der Gemeinschaft vollbringt. Es ist ein
Unterschied, ob man den Geldbeutel aufmacht und oder sich aktiv
engagiert.
>> Im Zuge der Überalterung der
>> Gesellschaft werden wir ohnehin nicht darauf verzichten können,
wenn
>> das Gesundheitssystem überhaupt noch bezahlbar bleiben soll.
> Die Anzahl die ZDL müsste in den letzten zehn Jahren eigentlich stark
> gesunken sein ("Wegfall" von T3lern und T7lern beispielsweise)
und
> irgendwie konnte man diese Verluste doch tatsächliche ausgleichen.
Wie, das kann man an den schier explodierenden Kosten des
Gesundheitssystem erkennen, auch an den Steigerungsraten für
pflegebedürftige Patienten.
Ich bin absolut gegen eine Kommerzialsierung aller lebensbereiche, auch
des gesundheitssystems. Ich halte es für pervers, dass der Patient nur
noch ein Kostenfaktor darstellt.
> BTW: Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Thema hier OT ist, aber
> bevor noch jemand einen Löschantrag stellt, können wir ruhig
auch ein
> wenig OT-Traffic erzeugen ;)
Warum bist du der Meinung, dass das Thema OT ist? Bis dato ist -
zumindest offiziell - die Wehrpflicht fundamentaler Bestandteil des
Selbstverständnisses der Bundeswehr. Es ist für mich persönlich
durchaus ein Unterschied, ob ein Söldnerarmee ihren Dienst verrichtet
oder aber ein aus allen Schichten bestehender Querschnitt der
Bevölkerung.
Das zwingt Zeit- und Berufssoldaten zu einer Auseinandersetzung mit den
Meinungen, die von außen in die Bundeswehr hautnah an die Vorgesetzten
angetragen werden. Ich kann mich noch gut an meine Zeit als aktiver
Soldat erinnern, als die Diskussionen um Pershing II etc hitzig geführt
wurden. Man war gezwungen sich intensiv mit diesem Thema
auseinanderzusetzen, Für und Wider abzuwägen etc.
Aus meiner Sicht der Dinge besteht bei einer reinen Berufsarmee allzu
leicht die Gefahr, dass Behauptungen der Politik, der Notwendigkeit
einer bestimmten Bewaffnung, einer bestimmte Strategie usw, kritiklos
hingenommen werden bzw die Soldaten durch eine Art längerfristigen
Gehirnwäsche manipuliert werden.
Woran orientiert sich denn der Soldat? Zum einen natürlich aus der
Presse, wobei diese militärische, strategische, politische Sachstände
meistens nur unzureichend wiedergibt. Zum anderen regnet eine Flut von
Presseverlautbarungen der Regierung auf die Soldaten herunter, Berge
von "Fachliteratur", die allerdings auch wieder von offiziellen
Stellen
z.B BmVg herausgegeben werden. Natürlich tragen auch Fachreferenten
vor, doch meistens sind das auch wieder von Regierungsseite beauftragte
Personen.
Der Soldat kann meiner Meinung nach daher nahezu nach Belieben
manipuliert werden, so dass sich eine bestimmte und gewollte
Einstellung herausbildet und festigt. Wer bei diesem Spiel nicht
mitspielen will, wird dann eben nicht als Berufssoldat übernommen oder
er kommt erst gar nicht in bestimmte Laufbahnen.
Das hört sich jetzt so an, als ob Soldaten unkritisch oder blöd
seien.
Das ist de facto grundsätzlich (grundsätzlich heißt, dass es
auch
Ausnahmen geben kann) nicht der Fall. Aber derjenige, der viele Jahre
seines Lebens einer bestimmten Umgebung ausgesetzt ist, wird sich
dieser Umgebung anpassen oder aber letztlich gehen. Daraus folgt, dass
sich letztlich eine ganz bestimmte Mentalität in der Truppe
herausbilden könnte, die ihr Selbstverständnis als Soldat in einer
Demokratie falsch einschätzt.
Ich bin der Meinung, dass ansonsten doch sehr viel leichter seltsame
Sitten und Gebräuche einreißen könnten, die dann eben nicht an
die
Öffentlichkeit dringen.
Grüße
Harald
Sommerloch - Abschaffung der Wehrpflicht
Ingo Heinscher schrieb:
> Aber es gibt ein ganz anderes Argument f
Sommerloch - Abschaffung der Wehrpflicht
Nicholas Prey